Eine kleine Kurzchronik des SSVH
Sportschützenverein Herten e. V.
Ein Verein mit zwei Geburtstagen.
Von 21 Interessenten 1934 ins Leben gerufen existierte der Kleinkaliber- Schützenverein
bis April 1939. Waren die Jahre 1934/35 noch von sportlichen und dörflichen Aktivitäten geprägt, nahm das Interesse am Vereinsleben danach ab. „Wir schließen aus ... (div.) Aufzeichnungen, daß durch das nationalsozialistische Programm der Wehrertüchtigung die ursprüngliche Vereinsidee des sportlichen Schießens verloren ging und deshalb immer mehr Mitglieder dem Verein fern blieben.“ (Festschrift zum 50 Jahrestag der Vereinsgründung, S.27). Zur letzten Generalversammlung 1939 erschienen nur noch 11 Mitglieder; das war dann das letzte öffentliche Auftreten des Kleinkaliber-Schützenvereins in Herten.
Der Verein in seiner heutigen Gestalt wurde 1953 von 17 Interessenten am sportlichen Schießen neu gegründet – als Sportschützenverein. Der Name war Programm, denn es ging Gründungsvätern darum, mit dem sportlichen Schießen die Kontakte zu den Schützen anderer Vereine zu pflegen - so wie andere sportlich orientierte Vereine das ebenfalls halten. Gleichzeitig sollten aber auch die Beziehungen zum Ort gepflegt werden - mit Veranstaltungen, die der Verein für die Öffentlichkeit organisierte.
Die Kontaktpflege im Sport und für den Ort manifestierte sich in Ereignissen wie
1954 der Standeröffnung auf dem Grundmättle mit einem Sommernachtsfest mit den Hertener Bürgern und den eingeladenen Vereinen der Umgebung als Gäste;
1955 der Aufnahme von Beziehungen zum Schützenverein in Hüningen/Frankreich; die herzliche Aufnahme der Hertener Mannschaft als Freund und Sportkamerad wurde zum beeindruckenden Erlebnis der Nachkriegszeit ;
1955 der Durchführung des ersten Dorfkönigsschießens, das zur Tradition wurde;
1956 der Durchführung der ersten Fasnachtsveranstaltung in Herten, die viele Nachfolger hatte;
1970 der Verschwisterung mit dem elsässischen Schützenverein „Société de Tir Aurore“ in
Riedisheim/Mulhouse unter Teilnahme der Bürgermeister beider Gemeinden;
1991 bis 1996 der Durchführung des „Centra-Cup“, eines von der Fa. Centra Visier-
einrichtungen und dem Verein gestalteten Vergleichs für Jugendmannschaften aus
fünf Ländern;
2001 die Einführung des Bockbierfestes zum „Vatertag“ auf dem Grundmättle; möglich,
weil ein Vereinsmitglied, von Beruf Braumeister, diese Idee zur Tat werden ließ;
1999 bis heute der Durchführung eines leistungsfördernden Trainings für die Jugend der
Schützenvereine des Kreises, das die Bildung gemeinsamer Schüler- und Jugend-
Mannschaften einleitete und erfreuliche Ergebnisse brachte.
Daneben gab es Kontakte zum Schützenverein Marksteft, die ein ehemals Hertener Vereinsmitglied herstellte. Die Kontakte nach Hüningen, Riedisheim und Marksteft wurden von den in dieser Zeit aktiven Schützen getragen und erloschen mit dem Ausscheiden dieser Mitglieder aus dem aktiven Sport.
Die Pflege des Schießsports und der sportlichen Beziehungen waren verständlicherweise an materielle Voraussetzungen gebunden, die sich die Mitglieder mit hohem Eigenanteil an Arbeitsleitungen schufen. Wachstums des Vereins, Sportordnungen des Deutschen Schützen- bundes und auch der bauliche Zustand übernommener Anlagen zwangen zu Spaten und Schaufel.
1954 erfolgte die Standeröffnung auf dem Grundmättle, nachdem das im Krieg zweck-
entfremdete Schützenhaus wieder hergestellt war;
1954 bis 1963 wurden die Stände saniert, die Zufahrt ausgebaut und eine Stromleitung zum
Schützenhaus verlegt;
1966 und 1967 wurde eine „Schützenstube“ in Massivbauweise errichtet;
1971 bis 1972 erfolgte die Renovierung und Modernisierung der Schießanlagen und der Bau
eines Pistolenstandes ;
1977 und 1978 erfolgte der Aufbau einer ehemaligen Lagerhalle als Luftgewehr-/
Luftpistolenhalle mit einem Aufenthaltsraum, dem Einbau einer Heizung und Toilette; ein Parkplatz wurde angelegt und das Schießgelände umzäunt;
1981 bis 1984 erfolgte schrittweise eine Modernisierung der Stände mit Hochblenden und
neuer Deckung; eingerichtet wurde erst probeweise und dann komplett eine Videoanlage, die beim Jedermann- und Dorfkönigschießen dem Publikum eine bessere Möglichkeit bot, die Wettkämpfe zu verfolgen;
1994 bis 1996 wurde die Halle (das heutige Schützenhaus) von 8 auf 10 Stände erweitert, um Wettkämpfe und Meisterschaften in Herten austragen zu können; dabei erhielt die Vereinsgaststätte eine separate Küche..
Zur Jahrhundertwende waren, mit Hilfe der Centra, die KK-stände mit neuen automatischen Scheibenwechselanlagen auf dem KK-Gewehrstand und einer neuen Duellanlage auf dem Pistolenstand ausgestattet worden.
In der Folge mußte der Hallenboden renoviert werden und der Anschluß an öffentliche Wasser- und Abwassernetz erfolgte.
Vereinskontakte, bauliche Maßnahmen und sportliche Erfolge standen erkennbar in einem
Zusammenhang. Mit jeder Verbesserung der Trainingsbedingungen gingen auch Veränderungen im Leistungsbereich einher. Es erfüllt den Verein mit Stolz, daß über Jahre junge und ältere Schützen Kreis-, Bezirks- und Landesmeister wurden und sich für die Deutsche Meisterschaften qualifizierten und dann gelegentlich auch vordere Plätze einnahmen; sich zu qualifizieren gelang zuletzt der Jugendabteilung sieben Mal nacheinander.
Warum nicht durchgängig solche Erfolge? Ganz einfach: Schützen werden älter und mit dem Einstieg in eine neue Altersklasse wächst die Leistungsdichte und dann geschieht es, daß sich die vorderen Plätze aus jungen Jahren nicht zwangsläufig wiederholen. Wie in anderen Vereinen scheiden oft junge leistungsfähige Sportler aus, weil sie infolge einer Berufsausbildung den Ort verlassen (müssen) und es nicht sicher ist, daß sie hier eine Arbeit aufnehmen (können).
Wurde 1934 noch in der Kegelbahn auf 15 m mit Kleinkaliber-Zimmermunition und danach auf den Stand mit (harter) Kleinkalibermunition geschossen, so begann das sportliche Schießen 1953 mit dem KK-Gewehrschießen, dem 1955 das Luftgewehrschießen und 1971 das Pistolenschießen folgte.
Heute werden im Verein folgende Sportgeräte, die durch die Sportordnung des Deutschen Schützenbundes zugelassen sind, genutzt: > für Schüler und Jugendlichen Druckluftgewehr und -pistole sowie im Jugendalter KK-Gewehr und KK-Pistole; > für die Schützen und Senioren auch Sportpistole und -revolver (Kal. 32 bzw. 38) sowie Gebrauchspistolen. Großkalibrige Gewehre werden in Herten nicht geschossen.
Mit jedem dieser Sportgeräte werden mehrere Disziplinen geschossen, bei den Sportgewehren zudem in verschiedenen Anschlagsarten. Je Altersklasse, Diszplin und Anschlagsart gibt der Schütze eine andere Schußzahl ab. Körperliche Fitness und hohe Konzentrationsfähigkeit muß jeder Schütze entwickeln.
Voraussetzung zum Gebrauch eines Sportgeräts, das Munition mit Pulverladung (vereinfacht formuliert) einsetzt, ist der Nachweis einer abgelegten Waffen- und Sachkundeprüfung.
(hp)
Blick vom Eigenturm
